Erschienen im Jahr 2019, bündelt dieser von der Migrationsforscherin Sandra Kostner herausgegebene Debattenband „Identitätslinke Läuterungsagenda“ eine tiefgreifende Kritik an der modernen Identitätspolitik. In 13 prägnanten Beiträgen analysieren neben der Herausgeberin namhafte Experten wie Dimitri Almeida, Dagmar Borchers, Heike Diefenbach, Alexander Grau, Oliver Hidalgo, Maria-Sibylla Lotter, Stefan Luft, Elham Manea, Boris Palmer, Roland Preuß, Christof Roos und Roland Springer die Mechanismen einer Agenda, die Individuen zunehmend in starre Gruppen von „Opfern“ und „Schuldigen“ einteilt. Das Werk hat durch seine scharfe Dekonstruktion moralischer Überlegenheitsansprüche und die Warnung vor einer schleichenden Erosion der Meinungsfreiheit eine breite gesellschaftliche Debatte über die Fundamente unserer liberalen Demokratie angestoßen.
3 zentrale Erkenntnisse aus dem Buch
Verschiebung des Gerechtigkeitsbegriffs: Anstatt die soziale Durchlässigkeit für Individuen zu fördern, fokussiert die „Identitätslinke“ auf eine kollektive „Identitätsgerechtigkeit“, die Menschen dauerhaft in starre Gruppen von „Privilegierten“ und „Opfern“ einteilt.
Gefährdung der liberalen Freiheit: Die Fixierung auf Ergebnisgleichheit (etwa durch Quoten) statt Chancengerechtigkeit führt zu massiven staatlichen Interventionen, die das Leistungsprinzip und individuelle Freiheitsrechte untergraben.
Erosion der Diskurskultur: Kritiker der Agenda werden häufig nicht mit Argumenten konfrontiert, sondern durch moralische Diskreditierung (wie Rassismus- oder Islamophobie-Vorwürfe) mundtot gemacht, was zu einer präventiven Selbstzensur führt.
Für wen ist das Buch besonders interessant?
Politisch Interessierte, die die tieferen Ursachen der zunehmenden Polarisierung und Fragmentierung in westlichen Gesellschaften verstehen möchten.
Akademiker und Studenten, insbesondere aus den Geistes- und Sozialwissenschaften, die sich kritisch mit dem Einfluss postmoderner und postkolonialer Theorien auf die Forschung auseinandersetzen wollen.
Verantwortliche in Politik und Verwaltung, die eine fundierte Analyse der oft unbeabsichtigten negativen Folgen von Instrumenten wie der „positiven Diskriminierung“ suchen.
Was Du aus dem Buch mitnehmen kannst
Die Mechanismen der Läuterung verstehen
Das Werk dekonstruiert das Konzept der „Läuterungsagenda“: Vertreter der vermeintlichen Schuldseite („Schuldentrepreneure“) versuchen durch ostentative moralische Demonstrationen, eine verlorene Autorität zurückzugewinnen. Dies führt dazu, dass reale Wertekonflikte in Migrationsgesellschaften oft wegerklärt oder ignoriert werden, um den eigenen Status der moralischen Reinheit nicht zu gefährden. Die Autoren warnen davor, dass dieses „Wegschauen“ letztlich private Unfreiheit und Unterdrückung innerhalb migrantischer Gemeinschaften perpetuiert.
Gefahren der Kollektivierung des Individuums
Ein zentraler Moment des Buches ist die Kritik an der Reduktion des Menschen auf Gruppenmerkmale wie Herkunft, Hautfarbe oder Geschlecht. Wenn Identität wichtiger wird als individuelle Leistung, geraten soziale Mobilitätsprozesse ins Stocken. Die Beiträge zeigen auf, dass eine Politik, die allein auf statistischer Repräsentation basiert, neue Ungerechtigkeiten schafft und das Gefühl der Mehrheitsgesellschaft verstärkt, ungerecht behandelt zu werden – was wiederum den Rechtspopulismus befeuert.
Plädoyer für einen rationalen Dialog
Das Buch schließt mit der dringenden Aufforderung, zum rationalen Austausch von Argumenten zurückzukehren. Eine funktionierende Demokratie benötigt einen gemeinsamen Raum, in dem unterschiedliche Positionen mit Respekt verhandelt werden können, ohne dass eine Seite die absolute Deutungshoheit beansprucht. Nur wenn Individuen wieder als Individuen und nicht primär als Angehörige von Identitätsgruppen wahrgenommen werden, kann der gesellschaftliche Zusammenhalt langfristig gewahrt bleiben.
Das Buch in einem Satz
Die „Identitätslinke Läuterungsagenda“ analysiert, wie eine auf Gruppenmerkmalen basierende Gerechtigkeitsvision die individuelle Freiheit opfert und durch moralische Einschüchterung den gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie den demokratischen Diskurs gefährdet.
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