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Das im Jahr 2016 in Deutschland erschienene Buch „„Regretting Motherhood““ der israelischen Soziologin Orna Donath schlug enorme Wellen. Mit ihrer qualitativen Studie stieß Donath eine weltweite Debatte unter dem Hashtag #regrettingmotherhood an. Das Buch bricht mit dem tiefgreifenden Tabu, dass Frauen ihre Rolle als Mutter bereuen könnten, und zwingt uns, die romantisierte Vorstellung der natürlichen Mutterschaft kritisch zu hinterfragen. Es ist ein Plädoyer für emotionale Ehrlichkeit.
3 zentrale Erkenntnisse aus dem Buch
Reue und Liebe schließen sich nicht aus: Viele Mütter machen eine klare Trennung zwischen der Rolle der Mutter, die sie ablehnen, und den Kindern, die sie aufrichtig lieben. Reue bedeutet keinesfalls, dass man die Existenz seines Kindes verneint.
Mütterliche Reue ist keine Depression: Während eine Depression oft als vorübergehende Krise behandelt wird, ist die Reue über die Mutterschaft eine stabile, andauernde emotionale Haltung, die nicht zwangsläufig durch Therapie oder Zeit verschwindet.
Die freie Wahl ist oft eine Illusion: Viele Frauen werden nicht aus einem inneren Wunsch heraus Mütter, sondern folgen einem gesellschaftlichen Skript („Going with the flow“) oder beugen sich dem Druck ihres Umfelds und Partners.
Für wen ist das Buch besonders interessant?
Mütter, die mit ihrer Rolle hadern, weil sie hier eine Stimme und Validierung finden sowie das Wissen, dass sie mit ihren ambivalenten Gefühlen nicht alleine sind.
Frauen vor der Entscheidung für oder gegen Kinder, da das Buch eine ungeschönte Perspektive auf die Realität der Mutterschaft jenseits gesellschaftlicher Versprechungen bietet.
Soziologisch und feministisch Interessierte, die verstehen möchten, wie gesellschaftliche Erwartungen und Normen den weiblichen Körper und Geist kontrollieren.
Was Du aus dem Buch mitnehmen kannst
Die Enttabuisierung eines „illegalen“ Gefühls
Wir leben in einer pronatalistischen Kultur, die von Frauen erwartet, in der Mutterschaft ihre absolute Erfüllung zu finden. Orna Donath zeigt auf, dass Reue im Kontext der Mutterschaft als geradezu „illegale“ Emotion gilt. Müttern werden strenge „Feeling Rules“ (Gefühlsregeln) auferlegt, die vorschreiben, dass sie ihre Rolle stets genießen müssen. Das Buch befreit Frauen von dem Druck, diese Maske ständiger Zufriedenheit tragen zu müssen, und gibt jenen Raum, deren Reue bislang systematisch zum Schweigen gebracht wurde.
Der Unterschied zwischen Rolle und Beziehung
Ein zentraler Aha-Moment des Buches ist die Erkenntnis, dass Mutterschaft nicht nur als biologische Gegebenheit, sondern als soziale Institution betrachtet werden muss. Die befragten Frauen verdeutlichen, dass sie ihre Kinder als Menschen tief lieben können, aber die Rolle der Mutter – mit all ihren gesellschaftlichen Pflichten und dem Verlust an Autonomie – ablehnen. Dieser Verlust des eigenen Selbst, das Gefühl, nur noch als Funktion für jemand anderen zu existieren, wird von betroffenen Müttern oft als erdrückend erlebt.
Gesellschaftlicher Wandel statt individueller Schuld
Donath verlagert das Problem der Reue vom individuellen Versagen auf die gesellschaftlichen Strukturen. Anstatt bereuende Mütter als egoistisch oder psychisch krank abzustempeln, versteht sie Reue als Warnsignal gegen ein System, das Frauen in die Mutterschaft drängt und sie dann mit den Konsequenzen allein lässt. Das Buch regt dazu an, den Wert von Frauen nicht länger an ihrer Fortpflanzungsfähigkeit zu messen und Mütter als vollwertige Subjekte mit eigenen Bedürfnissen anzuerkennen. Wahre Emanzipation bedeutet auch die Freiheit, eine getroffene Entscheidung im Nachhinein ehrlich bewerten zu dürfen.
Das Buch in einem Satz
Die gesellschaftliche Erwartung an die Mutterschaft ist ein enges Korsett; es ist möglich und legitim, seine Kinder bedingungslos zu lieben und die Entscheidung, Mutter geworden zu sein, dennoch zutiefst zu bereuen.
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