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In seinem 2017 erschienenen Werk „How to Create a Vegan World“ stellt der Tierrechtsaktivist und Mitbegründer von ProVeg International, Tobias Leenaert, die klassischen Strategien der veganen Bewegung auf den Kopf. Anstatt auf moralischen Dogmatismus zu setzen, plädiert er für einen radikalen Pragmatismus, um echten gesellschaftlichen Wandel zu bewirken. Das Buch hat Debatten unter Aktivisten ausgelöst, da es überzeugend aufzeigt, warum Flexitarier und eine verbesserte Auswahl an Alternativen wichtiger für die Tiere sind als das ehrgeizige Streben nach individueller Reinheit.
3 zentrale Erkenntnisse aus dem Buch
Die Macht der Flexitarier: Nicht die kleine Gruppe der strikten Veganer wird das System stürzen, sondern die große Masse der „Fleischreduzierer“. Da diese den Markt für pflanzliche Alternativen durch ihre immense Nachfrage antreiben, machen sie den Weg für alle anderen leichter.
Verhalten ändert Einstellungen: Oft glauben wir fälschlicherweise, Menschen müssten erst moralisch überzeugt werden, um ihr Verhalten zu ändern. Die Psychologie zeigt jedoch: Wer – etwa aus Bequemlichkeit oder Gesundheitsgründen – anfängt, pflanzlich zu essen, entwickelt oft erst danach moralisches Mitgefühl für Tiere.
Ein unterstützendes Umfeld schaffen: Anstatt Menschen nur mit Argumenten zu bearbeiten, müssen wir das Umfeld so gestalten, dass die richtige Entscheidung die einfachste ist. Wenn gute vegane Alternativen überall und erschwinglich verfügbar sind, sinkt die Hemmschwelle zur Veränderung drastisch.
Für wen ist das Buch besonders interessant?
Tierrechtsaktivisten und Veganer: Sie lernen, wie sie ihre Botschaft effektiver kommunizieren und Menschen wirklich erreichen, anstatt sie durch dogmatische Regeln in die Defensive zu drängen.
Unternehmer und Investoren im Food-Sektor: Sie verstehen, warum pflanzliche Alternativen ein rasant wachsender Markt sind und wie sie die lukrative Zielgruppe der Fleischreduzierer am besten ansprechen können.
Interessierte an Psychologie und gesellschaftlichem Wandel: Sie finden faszinierende Einblicke darin, wie soziale Bewegungen funktionieren, wie Gewohnheiten gebrochen werden und wie Verhaltensökonomie gezielt eingesetzt werden kann.
Was Du aus dem Buch mitnehmen kannst
Der Weg nach „Veganville“ erfordert Geduld
Tobias Leenaert nutzt in seinem Buch die treffende Metapher von „Veganville“ – einer fiktiven Stadt auf dem Gipfel eines hohen Berges. Das Problem der veganen Bewegung ist oft, dass sie von Nicht-Veganern verlangt, den gesamten steilen Aufstieg sofort und ohne Pausen zu bewältigen. Leenaert zeigt auf, dass wir angesichts der tiefen kulturellen und wirtschaftlichen Verankerung der Tiernutzung pragmatischer vorgehen müssen. Es geht nicht primär darum, moralisch recht zu haben, sondern effektiv zu sein. Wenn wir von Menschen fordern, aus rein ethischen Gründen sofort auf alles Tierische zu verzichten, stoßen wir fast unweigerlich auf Abwehrhaltung und kognitive Dissonanz.
Warum reine Moralapostel oft scheitern
Ein zentraler Aha-Moment des Buches ist die Erkenntnis, dass moralische Aufklärung allein stark überschätzt wird. Leenaert illustriert dies eindrucksvoll am Beispiel der Glutenfrei-Bewegung: Erst als viele Menschen ohne medizinische Notwendigkeit aus Lifestyle-Gründen auf Gluten verzichteten, wuchs das Angebot so stark an, dass es für echte Allergiker plötzlich viel einfacher wurde, einzukaufen. Genauso verhält es sich mit der veganen Lebensweise. Jeder, der an „Meatless Mondays“ teilnimmt oder aus Gesundheitsgründen Hafermilch kauft, kurbelt den Markt an und hilft so letztlich den Tieren. Leenaert plädiert daher mutig dafür, den Begriff des Veganismus aufzuweichen und nicht nach absoluter, hundertprozentiger Reinheit zu streben. Wer 95 Prozent der Zeit pflanzlich isst, bewirkt weitaus mehr für den Tierschutz als jemand, der vor lauter Angst vor Inkonsequenz gar nicht erst sein Verhalten ändert.
Mit Empathie und besseren Alternativen den Wandel beschleunigen
Letztlich fordert „How to Create a Vegan World“ einen echten Paradigmenwechsel im Aktivismus. Wir müssen aufhören, uns über inkonsistente „Teilzeit-Veganer“ zu ärgern, und stattdessen echte Empathie für die Hürden unserer Mitmenschen entwickeln. Leenaert fordert dazu auf, nicht-moralische Argumente wie Gesundheit und Ökologie voll zu nutzen und strategisch mit Lebensmittelherstellern zusammenzuarbeiten, selbst wenn diese parallel auch Fleisch produzieren. Wenn pflanzliche Alternativen durch Innovationen – etwa zellbasiertes Fleisch oder hochmoderne pflanzliche Burger – besser, günstiger und allgegenwärtig werden, wird der moralische Wandel der Gesellschaft fast zwangsläufig von selbst folgen.
Das Buch in einem Satz
Um eine tierleidfreie Welt zu erschaffen, müssen wir aufhören, strikte moralische Perfektion zu fordern, und stattdessen mit Pragmatismus, Empathie und exzellenten pflanzlichen Alternativen den Wandel für die breite Masse so einfach wie möglich machen.
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