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Das 2025 erschienene Buch „Wenn Russland gewinnt. Ein Szenario“ des renommierten Politikwissenschaftlers und Militärexperten Carlo Masala entwirft ein hypothetisches Zukunftsszenario. Masala, Professor für Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr und gefragter Kommentator, nutzt die Methode des Szenariodenkens, um auf Grundlage aktueller Tendenzen und Geschehnisse zukünftige Entwicklungen durchzuspielen. Ziel ist es, intellektueller Bequemlichkeit entgegenzuwirken und aufzuzeigen, was passieren kann, wenn es im Ukraine-Krieg eben nicht gut ausgeht. Das Szenario dient dazu, sich auf diese Entwicklungen vorzubereiten und deren Eintreten zu verhindern, da ein Scheitern der NATO die europäische Sicherheitsarchitektur endgültig zerstören würde.
3 zentrale Erkenntnisse aus dem Buch
Die psychologische Wirkung nuklearer Drohungen: Russland nutzt Nukleardrohungen gezielt und taktisch geschickt, um die Gegenseite von bestimmten Maßnahmen abzuhalten. Diese Drohungen stärkten in westlichen Ländern „Angstunternehmer“, welche die Furcht vor umfassender Eskalation zum Geschäftsmodell machten und so erfolgreich die Verunsicherung in der Bevölkerung förderten. Die Folge war eine zögerliche und zu späte militärische Hilfe für die Ukraine, was zeigt, dass diese Drohgebärden wirken und die Kohäsion der NATO gefährden können.
Die Unterschätzung der gesellschaftlichen Ermattung: Putins Strategie baut darauf, dass Diktaturen Kriege länger führen können als demokratische Gesellschaften, indem er auf die gesellschaftliche und politische Erschöpfung des Westens setzt. Die Ermattung äußert sich in der sinkenden Bereitschaft der Bevölkerungen, höhere Verteidigungsausgaben oder die Fortdauer von Sanktionen zu unterstützen, was rechtsextreme und linkspopulistische Parteien stärkt. Diese fehlende gesellschaftliche Resilienz ist ein zentraler Faktor, der es politischen Akteuren erschwert, sich auf eine militärische Konfrontation vorzubereiten und die nötigen Priorisierungen vorzunehmen.
Fehlende strategische Klarheit und die Gefahr eines „Quasiblocks“: Dem Westen fehlte es an einer klaren Strategie zur Ukraine-Unterstützung – es wurde nie eindeutig definiert, welches Ziel verfolgt werden sollte. Zudem unterschätzte man die immer stärkere militärische Kooperation zwischen den sogenannten Revisionistenstaaten (Russland, China, Nordkorea, Iran). Das Versäumnis, globale Konfliktherde zusammenzudenken, führte zur Herausbildung eines militärischen „Quasiblocks“, der Russland im Szenario durch gezielte Ablenkungsmanöver unterstützt.
Für wen ist das Buch besonders interessant?
Politische Entscheidungsträger und Regierungsvertreter: Das Buch dient als Weckruf und Anregung zum Mit- und Weiterdenken, um die im Szenario beschriebenen negativen Entwicklungen (Scheitern der NATO) aktiv zu verhindern.
Militärische Planer und Sicherheitsexperten: Das Szenario orientiert sich an realen Gegebenheiten und Erkenntnissen aus War Games und beleuchtet detailliert die kritischen militärischen Fähigkeitslücken der NATO (z. B. Luftverteidigung, Logistik).
Bürger und zivilgesellschaftliche Akteure: Um zu verstehen, was in der Ukraine und in unserer Zeit wirklich auf dem Spiel steht, und um die Notwendigkeit der Stärkung gesellschaftlicher Resilienz gegen Desinformation und Ermüdung zu erkennen.
Was Du aus dem Buch mitnehmen kannst
Der Weg zur Kapitulation und die Rückkehr des „Russki Mir“
Das Szenario beginnt mit der sogenannten „Kapitulation von Genf“, bei der die Ukraine de facto mehr als zwanzig Prozent ihres Territoriums aufgeben muss und eine dauerhafte Neutralitätsklausel in ihre Verfassung aufnimmt. Der Westen stellt die umfangreiche militärische Hilfe ein, da die USA sich auf den Indopazifik umorientieren wollen und die europäischen Staaten nicht in der Lage sind, dies zu kompensieren. Russland feiert das Abkommen als Sieg und betont in staatlichen Talkshows, dass das Projekt des „Russki Mir“ (einer russisch dominierten Friedensordnung) erst mit der Rückkehr der baltischen Staaten, Moldaus und Georgiens in den russischen Einflussbereich beendet sei. Im Westen überwiegt nach dem Ende des größten Landkrieges in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg die Erleichterung, auch wenn nur wenige die Niederlage der Ukraine als schwere Bedrohung für die europäische Sicherheitsordnung erkennen.
Die Schwäche der NATO wird zum Plan Russlands
Nach dem Sieg in der Ukraine präsentiert der neue russische Präsident Obmantschikow, ein vermeintlich charismatischer Reformer, Pläne zur Wiederbelebung der Rüstungskontrolle. Parallel dazu arbeiten seine Vertrauten an einem Plan, der die Politik Wladimir Putins weiterverfolgt, ohne eine offene Konfrontation mit der NATO zu riskieren. Die Strategie orientiert sich an der „Remilitarisierung des Rheinlandes“ von 1936: Es geht darum, die Bereitschaft der NATO zu testen, auf einen begrenzten Vorstoß zu reagieren, wobei jederzeit ein gesichtswahrender Rückzug möglich wäre. Russland setzt dazu auf eine Kombination aus Ablenkung und Eskalation um der Kontrolle willen. Zunächst wird eine erneute Flüchtlingswelle in Gang gesetzt, um europäische Marinetruppen im Mittelmeer zu binden. Gleichzeitig lenkt China die USA ab, indem es Spannungen im Südchinesischen Meer eskalieren lässt und so amerikanische Kräfte in Asien bindet. Daraufhin greifen russische Brigaden unerwartet die estnische Grenzstadt Narwa sowie die Insel Hiiumaa an. Das gesamte Manöver zielt darauf ab, die NATO zur Entscheidung zu zwingen, ob sie wegen einer estnischen Kleinstadt einen Dritten Weltkrieg riskiert. Die Allianz scheitert, da die USA ein Veto gegen die Ausrufung des Artikels 5 einlegen und wichtige europäische Mächte (wie Deutschland und Frankreich) keine militärischen Gegenmaßnahmen ohne die USA unterstützen können oder wollen.
Die Lehren aus dem Szenario: Abschreckung und Resilienz
Die Hauptlehre des Szenarios ist, dass die NATO den Test der kollektiven Verteidigung nicht besteht. Um dies in der Realität zu verhindern, muss die Bedrohung durch Russland – die auf absehbare Zeit die zentrale sicherheitspolitische Bedrohung in Europa bleibt – ernst genommen werden. Die europäischen NATO-Staaten müssen jetzt handeln, um ihre Abhängigkeit von den USA zu reduzieren und die Fähigkeitslücken (etwa bei Luftverteidigung und Aufwuchsfähigkeit) zu schließen. Nur wenn in Moskau der Eindruck vorherrscht, dass die NATO wirklich fähig und willens ist, jeden Quadratmeter ihres Territoriums zu verteidigen, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Russland die Allianz testen wird. Neben der materiellen und personellen Aufrüstung ist die gesellschaftliche Resilienz entscheidend. Die Regierungen müssen klar kommunizieren, dass durch hybride Kriegsführung die demokratische Staatsform selbst bedroht ist, und die Gesellschaft muss bereit sein, den ökonomischen und politischen Preis für die Abschreckung zu zahlen.
Das Buch in einem Satz
Die Nichtbereitschaft des Westens, die Konsequenzen eines russischen Sieges in der Ukraine zu tragen und die notwendigen Verteidigungsanstrengungen umzusetzen, ermöglicht es Russland, die NATO durch einen begrenzten Angriff erfolgreich zu spalten und die europäische Sicherheitsordnung endgültig zu zerstören.
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