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Im Jahr 2018 veröffentlichte der renommierte Politikwissenschaftler John J. Mearsheimer dieses provokante Werk, das eine schonungslose Abrechnung mit der amerikanischen Außenpolitik nach dem Kalten Krieg darstellt. Das Buch „The Great Delusion“ (Die große Illusion) erklärt, warum der Versuch der USA, die Welt nach ihrem demokratischen Ebenbild zu formen, nicht nur gescheitert ist, sondern zu Instabilität und Blutvergießen führte. Mearsheimers realistische Analyse ist ein unverzichtbarer Beitrag zum Verständnis aktueller geopolitischer Krisen, von der Ukraine bis zum Nahen Osten.
3 zentrale Erkenntnisse aus dem Buch
Diese Aspekte erklären, warum politische Ideale oft an der harten Realität zerschellen:
Nationalismus schlägt Liberalismus: Mearsheimer argumentiert, dass der Nationalismus die mächtigste politische Ideologie der Welt ist. Menschen sind primär soziale Wesen, die loyal zu ihrer eigenen Gruppe (Nation) stehen, und keine isolierten Individuen, die universelle Rechte über alles stellen. Wenn Liberalismus und Nationalismus kollidieren, gewinnt fast immer der Nationalismus.
Liberale Hegemonie führt zu Krieg: Der Versuch, Demokratie und Menschenrechte global zu verbreiten (liberale Hegemonie), führt paradoxerweise nicht zu Frieden, sondern zu „endlosen Kriegen“. Ein liberaler Staat neigt dazu, Souveränität zu missachten und „Kreuzzüge“ gegen nicht-liberale Staaten zu führen, was Chaos und Widerstand provoziert.
Realismus ist unvermeidbar: Da es keine Weltregierung gibt, bleibt das internationale System anarchisch. Staaten müssen primär an ihr Überleben und ihre Machtbalance denken (Realismus). Die Annahme, man könne durch internationale Institutionen und Handel den Machtwettbewerb dauerhaft überwinden, ist eine gefährliche Illusion.
Für wen ist das Buch besonders interessant?
Politisch Interessierte und Beobachter des Weltgeschehens, die verstehen wollen, warum westliche Interventionen (z. B. im Irak, Afghanistan oder Libyen) oft katastrophal enden.
Studierende der Geschichte und Politikwissenschaft, die eine klare theoretische Abgrenzung zwischen Liberalismus, Realismus und Nationalismus suchen.
Kritiker interventionistischer Außenpolitik, die nach fundierten Argumenten für eine Strategie der militärischen Zurückhaltung (Restraint) suchen.
Was Du aus dem Buch mitnehmen kannst
Der Traum, der zum Albtraum wurde
John J. Mearsheimer beginnt mit einer fundamentalen Analyse der menschlichen Natur und politischer Theorien. Er erklärt, dass der politische Liberalismus zwar im Inneren eines Staates für Frieden sorgen kann, auf der internationalen Bühne jedoch als Außenpolitik („Liberale Hegemonie“) fatal wirkt. Nach dem Ende des Kalten Krieges verfielen die USA der „großen Illusion“, sie könnten die Welt in eine Gemeinschaft liberaler Demokratien verwandeln. Die Theorie besagte, dies würde Menschenrechte schützen und Kriege beenden. Doch Mearsheimer zeigt auf, dass dieser Universalismus die tief verwurzelten kulturellen und sozialen Bindungen der Menschen ignoriert. Der Versuch, „Social Engineering“ auf globaler Ebene zu betreiben, ist an der menschlichen Natur vorbei geplant.
Wenn Ideale auf Widerstand treffen
Ein zentraler Aha-Moment des Buches ist die Analyse des Nationalismus. Mearsheimer legt dar, warum Menschen bereit sind, für ihre Nation zu sterben, aber selten für abstrakte universelle Rechte. Wenn eine Supermacht in ein fremdes Land einmarschiert, um dort „Freiheit“ zu bringen, wird sie von der lokalen Bevölkerung fast immer als Besatzer wahrgenommen. Dies führt zu heftigem Widerstand und Terrorismus. Das Buch verdeutlicht dies anhand des Scheiterns im Nahen Osten und der Spannungen mit Russland (insbesondere in der Ukraine-Krise), die laut Mearsheimer durch die naive Ausdehnung westlicher Institutionen (NATO/EU) in die russische Einflusssphäre provoziert wurden. Staaten handeln aus Sicherheitsinteressen (Realismus), nicht aus Dankbarkeit für liberale Werte.
Ein Plädoyer für geopolitische Zurückhaltung
Im Ausblick bietet das Buch eine klare Alternative zur gescheiterten Politik der Einmischung: Zurückhaltung (Restraint). Anstatt zu versuchen, die Welt zu bekehren, sollten Großmächte wie die USA eine Außenpolitik verfolgen, die auf realistischen Machtbalancen basiert. Das bedeutet, sich nur dann einzumischen, wenn vitale strategische Interessen bedroht sind, und ansonsten die Souveränität anderer Staaten – auch autoritärer Regime – zu respektieren. Mearsheimer warnt eindringlich: Eine liberale Außenpolitik gefährdet letztlich auch den Liberalismus im eigenen Land, da dauerhafte Kriege den Aufbau eines mächtigen Sicherheitsapparates und die Einschränkung von Bürgerrechten begünstigen.
Das Buch in einem Satz
Der Versuch westlicher Staaten, ihre Werte militärisch in die Welt zu tragen, scheitert zwangsläufig an der Kraft des Nationalismus und führt statt zum Weltfrieden nur zu dauerhaftem Konflikt und Instabilität.
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