In seinem im Jahr 2025 erschienenen Buch „Die Zukunft des Lesens“ analysiert der Medienwissenschaftler Christoph Engemann den radikalen Wandel unserer Lesekultur und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft. Er beschreibt, wie das traditionelle Lesen von Büchern durch eine neuartige „Plattform-Oralität“ abgelöst wird, während die Bildungsinstitutionen von den Erschütterungswellen der Digitalisierung und KI-Revolution erfasst werden. Das Buch hat einen erheblichen Impact, da es aufzeigt, wie sich durch den Rückzug des Textes aus der Öffentlichkeit die Fundamente unseres Wissenserwerbs und die Struktur unserer Demokratie verschieben.
3 zentrale Erkenntnisse aus dem Buch
Plattform-Oralität ersetzt die klassische Literalität: Wir bewegen uns weg vom vertieften Lesen langer Texte hin zum Konsum mündlicher Rede über Videos und Podcasts, was die Art und Weise, wie wir Wissen aufnehmen, fundamental verändert.
Das „Sprechzeug“ dominiert unseren Alltag: Smartphones und KI-basierte Tools (das „Sprechzeug“) haben das klassische „Schreibzeug“ verdrängt; sie machen mündliche Rede adressierbar, suchbar und damit zum primären Medium der Wissensvermittlung.
Lesen wird zum „Neuen Latein“: Während die Masse Wissen nur noch auditiv konsumiert, wird das tatsächliche Lesen komplexer Texte wieder zur exklusiven Tätigkeit einer schrumpfenden, spezialisierten Klasse von „Textarbeitern“.
Für wen ist das Buch besonders interessant?
Akademiker und Pädagogen, die verstehen wollen, warum die Lesekompetenz sinkt und wie sich das Verhältnis von Studierenden zu Texten durch „delegiertes Lesen“ verändert.
Medienschaffende und Content-Creator, die tiefe Einblicke in die Machtstrukturen von Plattform-Graphen und die Dynamiken von „Plattformcharisma“ gewinnen möchten.
Technologie-Interessierte, die die medienhistorische Verknüpfung von Künstlicher Intelligenz, Spracherkennung und der Evolution digitaler Infrastrukturen nachvollziehen wollen.
Was Du aus dem Buch mitnehmen kannst
Der Wandel vom Auge zum Ohr: Die neue Hierarchie der Medien
Die Quellen zeigen deutlich, dass sich das Lesen in einer tiefgreifenden Krise befindet, die über die bloße Abnahme von Buchkäufen hinausgeht. Engemann führt aus, dass wir uns in einer Epoche befinden, in der das Buch seinen Status als wichtigste Grundlage des Bildungswesens verloren hat. An seine Stelle tritt das „Sprechzeug“ – ein komplexes Dispositiv aus Smartphones, Kopfhörern und Algorithmen, das die mündliche Rede suchbar und dauerhaft verfügbar macht. Dieser Übergang zur „Plattform-Oralität“ bedeutet, dass wir Wissen nicht mehr durch die stille Versenkung in Texte, sondern durch die Teilhabe an auditiven Diskursen erwerben.
Delegiertes Lesen und die Macht des Plattformcharismas
Ein entscheidender Moment der Analyse ist die Erkenntnis, dass wir zunehmend „lesen lassen“. In sogenannten „virtuellen Universitäten“ auf YouTube oder in Podcasts übernehmen prominente Sprecher wie Christian Drosten, Rezo oder Jordan Peterson die mühsame Textarbeit für ihr Publikum. Dabei entsteht ein neuartiges „Plattformcharisma“, bei dem die körperliche Performanz, die Stimme und die Authentizität des Sprechenden im privaten Raum des Kopfhörers eine tiefere Bindung erzeugen als das gedruckte Wort. Die Konsumenten werden zu „virtuellen Lesern“, die darauf vertrauen, dass andere die Konzentrationsleistung der Lektüre für sie erbracht haben.
Die Klerikalisierung des Wissens und das Neue Latein
Der Ausblick des Buches ist gesellschaftspolitisch brisant: Engemann warnt vor einer neuen Form der Exklusivität, dem „Neuen Latein“. Ähnlich wie Latein einst die Sprache einer gelehrten Elite war, könnte das kompetente Lesen und Schreiben komplexer Texte wieder zu einer Spezialistenkultur schrumpfen. Während die breite Öffentlichkeit Wissen auditiv und oft oberflächlich konsumiert, verwalten wenige Textarbeiter die arkanen Strukturen der Macht und des Wissens im Hintergrund der Plattformen. Diese Entwicklung fordert unsere Bildungsinstitutionen heraus, da das Fundament der Alphabetisierung als Werkzeug der Autonomie durch die Delegation an Maschinen und Sprecher unterspült wird.
Das Buch in einem Satz
Das Werk beschreibt den Übergang von einer schriftbasierten Kultur zu einer digitalen Plattform-Oralität, in der das Lesen komplexer Texte zunehmend an spezialisierte Vermittler und intelligente Maschinen delegiert wird.
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