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Steven Pinker, Johnstone Professor für Psychologie an der Harvard University, veröffentlichte The Blank Slate: The Modern Denial of Human Nature im Jahr 2002. Pinker, der bereits für seine Bücher How the Mind Works und The Language Instinct ausgezeichnet wurde, stellt in diesem vielbeachteten Werk die „Offizielle Theorie“ infrage, die besagt, dass der menschliche Geist bei der Geburt keine inhärente Struktur besitzt und eine leere Tafel (Tabula Rasa) ist. Pinker argumentiert klar und überzeugend, dass diese Doktrin, die er als „säkulare Religion“ des modernen intellektuellen Lebens bezeichnet, die Wissenschaft und die öffentliche Ordnung tiefgreifend verzerrt hat. Wir beleuchten Pinkers mutigen Appell, die wissenschaftlichen Implikationen offen anzugehen und unsere wertvollen Überzeugungen nicht an psychologische Annahmen zu knüpfen, die anfällig dafür sind, als falsch bewiesen zu werden.
3 zentrale Erkenntnisse aus dem Buch
Widerlegung der Heiligen Dreifaltigkeit: Pinker fordert drei miteinander verbundene Doktrinen heraus, die das Denken im 20. Jahrhundert dominierten: das Blank Slate (Empirismus), den Noble Savage (Romantizismus, der Mensch ist von Natur aus gut) und den Ghost in the Machine (Dualismus, eine immaterielle Seele steuert den mechanischen Körper). Er zeigt auf, dass diese Annahmen, die als Quelle der Werte wahrgenommen werden, die wissenschaftliche Untersuchung der menschlichen Natur hemmen.
Der Geist ist eine „Tafel mit einem Gesicht“: Neue Erkenntnisse aus der Kognitionswissenschaft, Neurowissenschaft, Genetik und Evolution belegen, dass der menschliche Geist nicht leer ist. Er verfügt über eine komplexe, universelle menschliche Natur — eine „Tafel mit einem Gesicht“ — die Mechanismen für Sprache, Kultur, Moral und soziale Beziehungen umfasst. Selbst Lernprozesse können nur durch angeborene Mechanismen funktionieren, die das Lernen erst ermöglichen (Simple logic says there can be no learning without innate mechanisms).
Werte überleben den Determinismus: Pinker argumentiert, dass die weit verbreitete Angst, die Anerkennung angeborener Merkmale würde zu Nihilismus, Ungleichheit oder dem Verlust des freien Willens führen, fehlgeleitet ist. Er zeigt auf, dass unsere humanitären und demokratischen Werte (wie die Gleichheit vor dem Gesetz) unabhängig von biologischen Fakten auf moralischer Logik stehen und durch ein besseres Verständnis unserer Natur sogar gestärkt werden können.
Für wen ist das Buch besonders interessant?
Intellektuelle und Sozialwissenschaftler: Das Buch ist besonders wertvoll für alle, die sich in ihrem Fachgebiet mit Menschenbildern beschäftigen (Soziologie, Anthropologie, Literaturwissenschaft), da Pinker die fundamentalen Annahmen hinter dem Standard Social Science Model herausfordert. Es ist eine Aufforderung, die philosophischen und politischen Ängste vor der Biologie zu überwinden und eine Konsilienz des Wissens anzustreben.
Eltern und Erziehende: Da Pinker die Ergebnisse der Verhaltensgenetik zusammenfasst, die zeigen, dass die Wirkung der gemeinsamen familiären Umgebung im Vergleich zu Genen und individuellen Erfahrungen geringer ist, liefert das Buch eine Entlastung für Eltern, die sich sonst für jeden Missstand ihrer Kinder verantwortlich fühlen. Es zwingt uns, Kindererziehung neu zu überdenken.
Politische Kommentatoren und Entscheidungsträger: Pinker bietet eine realistischere Theorie der menschlichen Natur als Grundlage für Politik und soziale Reformen. Es beleuchtet, wie der Glaube an die unbegrenzte Formbarkeit des Menschen (Blank Slate) zu gefährlichen totalitären Sozialtechniken führen kann.
Was Du aus dem Buch mitnehmen kannst
Die Fiktion der leeren Tafel
The Blank Slate stellt die vorherrschende Auffassung der Moderne infrage, dass der menschliche Geist bei der Geburt völlig leer sei (tabula rasa), eine Metapher, die oft dem Philosophen John Locke (1632–1704) zugeschrieben wird. Pinker enthüllt, dass diese Idee, obwohl sie als wissenschaftlich gemäßigt gilt, tatsächlich eine „säkulare Religion“ des modernen intellektuellen Lebens darstellt. Wir tauchen in Pinkers Kampf gegen die „Heilige Dreifaltigkeit“ der philosophischen Doktrinen ein: 1) Das Blank Slate (Empirismus), 2) der Noble Savage (Romantizismus – die Annahme, dass der Mensch von Natur aus gut und von der Gesellschaft verdorben ist) und 3) der Ghost in the Machine (Dualismus – die Vorstellung, dass eine immaterielle Seele unseren mechanischen Körper steuert). Pinkers zentrales Anliegen ist es, zu zeigen, warum in modernen Diskussionen die extreme environmentalistische Position oft als moderat wahrgenommen wird, während die moderate Position, welche die angeborene Natur anerkennt, als extrem gilt.
Wissenschaftliche Belege für eine „Tafel mit einem Gesicht“
Pinker präsentiert Evidenz aus den Wissenschaften von Geist, Gehirn, Genen und Evolution, um zu beweisen, dass unser Geist nicht leer ist, sondern über eine komplexe, universelle menschliche Natur verfügt, die er als „Tafel mit einem Gesicht“ bezeichnet. Er erläutert, dass selbst grundlegende kognitive Funktionen wie das Verstehen von Sprache oder das Erkennen von Objekten komplexe angeborene Mechanismen erfordern. Diese angeborene Struktur umfasst universelle mentale Mechanismen (Universal mental mechanisms), die etwa unsere Fähigkeit zur Sprache (Universal Grammar), zur Kategorisierung und zur intuitiven Psychologie bestimmen. Pinker widerlegt dabei letzte Verteidigungslinien des Blank Slate, wie die Interpretation des kleinen Genoms (die Anzahl der Gene hat wenig mit der Komplexität zu tun) oder die Überbetonung der neuronalen Plastizität des Gehirns als magische, formbare Substanz.
Werte nach dem Fall der leeren Tafel
Wir konfrontieren die vier zentralen Ängste, die Pinker anspricht: Die Angst, dass genetische Unterschiede Ungleichheit rechtfertigen, dass die Unverbesserlichkeit des Menschen alle Hoffnung zerstört, dass Biologie den freien Willen und die Verantwortung eliminiert, und dass Evolution zu moralischem Nihilismus führt. Pinker beweist, dass unsere humanitären Werte – wie Gleichheit und Verantwortung – nicht von der Leere der Tafel abhängen. Im Gegenteil: Totalitäre Regime nutzten gerade den Glauben an die leere Tafel (die Idee, dass der Mensch radikal umgestaltet werden kann), um Sozialtechnik in Kindererziehung, Kunst und Politik zu rechtfertigen, was zu Gräueltaten führte. Pinker ermutigt uns, „die Stimme der Spezies“ zu hören, indem wir wissenschaftliche Fakten akzeptieren, um realistischere Lösungen für gesellschaftliche Probleme wie Gewalt (z. B. durch das Verständnis der Mechanismen der Rache und des gegenseitigen Altruismus) zu entwickeln und unsere Werte auf einer stabileren Grundlage zu verankern.
Das Buch in einem Satz
Pinker zerstört die philosophische Vorstellung der Tabula Rasa und liefert mit Beweisen aus Neurowissenschaft, Evolution und Genetik eine reiche und universelle menschliche Natur, die ein realistischeres Fundament für unsere moralischen und politischen Werte bietet.
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