Dieser Buchdialog ist ein Bezahlinhalt. Als kostenloser Abonnent kannst Du einmalig einen solchen freischalten lassen.
Das im Jahr 2019 erschienene Werk „Im Grunde gut“ des niederländischen Historikers und Journalisten Rutger Bregman, der als einer der prominentesten jungen Denker Europas gilt, stellt das traditionelle westliche Menschenbild radikal infrage. Bregman, bekannt durch seinen Bestseller „Utopien für Realisten“ und verglichen mit Vordenkern wie Greta Thunberg, argumentiert, dass die meisten Menschen von Grund auf gut sind. Das Buch entfaltet eine neue Erzählung der Menschheit, in der Vertrauen und Kooperation – und nicht Egoismus und Argwohn – den menschlichen Fortschritt ermöglichten. Mit dieser progressiven Idee trifft Bregman einen Nerv und erreicht eine breite Akzeptanz in der Gesellschaft.
3 zentrale Erkenntnisse aus dem Buch
Der Mensch ist evolutionär auf Freundlichkeit programmiert (Homo puppy): Die Evolution begünstigte nicht die stärksten oder klügsten, sondern die freundlichsten Individuen (Survival of the friendliest). Der moderne Mensch (Homo sapiens) ist biologisch ein „Homo puppy“ – kooperativ und mit jugendlichen, weicheren Zügen – im Gegensatz zu den aggressiveren Neandertalern. Diese tief verwurzelte soziale Intelligenz ermöglichte es dem Menschen, die Welt zu erobern, da Menschen supersoziale Lernmaschinen sind und sich besser vernetzen.
Das negative Menschenbild ist eine selbsterfüllende Prophezeiung (Nocebo-Effekt): Die pessimistische Annahme, dass der Mensch von Natur aus egoistisch und böse sei, wirkt wie ein Nocebo, eine selbsterfüllende Prophezeiung, die das Schlechteste in uns hervorbringt. Dieses negative Bild wird durch die Medien verstärkt, die sich auf Ausnahmen wie Anschläge oder Gewalt konzentrieren und so ein „Gemeine-Welt-Syndrom“ erzeugen. Tatsächlich kommt in Krisen- und Katastrophensituationen (wie dem Londoner „Blitz“ oder Hurrikan Katrina) oft das Beste im Menschen zum Vorschein, da die Menschen ruhig bleiben und Altruismus zeigen.
Das Böse entsteht durch Distanz, Macht und Ideologie: Die schlimmsten Grausamkeiten sind nicht angeboren, sondern das Resultat eines fatalen „Mismatch“ (Missverhältnisses) zwischen unserer kooperativen Natur und der zivilisierten Welt der Hierarchien. Aggression und Krieg entstanden erst vor etwa 10.000 Jahren mit der Sesshaftigkeit, dem Privateigentum und dem Staat. Mächtige Anführer, die oft narzisstisch und schamlos sind, nutzen dann die natürliche Loyalität und Kameradschaft des „Homo puppy“, um Gewalt aus der Ferne zu organisieren.
Für wen ist das Buch besonders interessant?
Führungskräfte und Manager, weil das Buch die These vertritt, dass Menschen intrinsisch motiviert sind und dass Kontrolle, Boni oder Misstrauen die innere Motivation untergraben. Es präsentiert erfolgreiche, hierarchiefreie Organisationsmodelle (z. B. Buurtzorg, FAVI), die auf Vertrauen basieren.
Politisch und gesellschaftlich Engagierte, da es einen „neuen Realismus“ proklamiert, der auf einem positiven Menschenbild fußt. Es zeigt, wie effektive Demokratie (Bürgerhaushalte) und Widerstand (gewaltloser Widerstand Mandelas, dänische Solidarität) durch die Aktivierung von Vertrauen und Mitgefühl möglich sind.
Medienkonsumenten und Erziehende, da es den schädlichen Einfluss sensationslüsterner Nachrichten und pessimistischer Geschichten auf das Weltbild analysiert. Es ermutigt dazu, die Kraft der Erwartung (Pygmalion-Effekt) zu nutzen und Kinder durch freies, ungesteuertes Spiel (Homo ludens) zu Kreativität und sozialer Kompetenz zu erziehen.
Was Du aus dem Buch mitnehmen kannst
Die Widerlegung des Zynismus
Das Buch beginnt mit der Dekonstruktion des vorherrschenden westlichen Menschenbildes, das besagt, die Zivilisation sei nur eine „dünne Fassade“, die beim geringsten Anlass in Panik und Chaos zusammenfalle. Bregman präsentiert überwältigende historische und wissenschaftliche Belege, dass dies eine Fehleinschätzung ist. Anhand von Beispielen wie dem Londoner „Blitz“ im Zweiten Weltkrieg, bei dem die Bevölkerung widerstandsfähig, ruhig und hilfsbereit reagierte, oder dem Untergang der Titanic zeigt er, dass Menschen in Katastrophenfällen Ruhe bewahren und altruistisch handeln. Dieser tief verwurzelte Altruismus wird durch evolutionäre Prozesse untermauert, die den Menschen zum „Homo puppy“ – zur freundlichsten und kooperativsten Spezies – machten. Entgegen der pessimistischen Thesen von Hobbes, dass das Leben in der Natur „einsam, armselig, ekelhaft, tierisch und kurz“ war, lebten unsere nomadischen Vorfahren in egalitären, friedlichen und gesunden Gesellschaften.
Die Illusion der Verdorbenheit
Der Autor führt den weit verbreiteten Pessimismus auf einen „Nocebo“-Effekt zurück, der durch Medien und manipulative Autoritäten verstärkt wird. Er enthüllt, dass berühmte psychologische Experimente, die die angeborene Bösartigkeit beweisen sollten, wie das Stanford-Prison-Experiment und das Milgram-Experiment, massiv inszeniert oder falsch interpretiert wurden. Die Wärter im Stanford-Experiment spielten nur Theater, und die Teilnehmer an der Milgram-Maschine folgten in Wirklichkeit keinen Befehlen, sondern ließen sich im Namen der Wissenschaft zur Kooperation überreden. Studien zeigen vielmehr, dass die Mehrheit der Menschen eine tiefe Abneigung gegen Gewalt hegt, was erklärt, warum viele Soldaten im Krieg den Abzug nicht betätigten. Selbst die Geschichte des Kannibalismus und der Selbstzerstörung der Osterinselbewohner wird als Mythos entlarvt, der die wahren Ursachen der Katastrophe – die Ankunft von Sklavenhändlern und Krankheiten – verschleiert.
Der neue Realismus des Vertrauens
Bregman plädiert dafür, die Kraft positiver Erwartungen (Pygmalion-Effekt) zu nutzen und eine Gesellschaft aufzubauen, die dem positiven Menschenbild gerecht wird. Dieses Vertrauen in die menschliche Güte ist keine Naivität, sondern ein neuer Realismus, der zu besseren Ergebnissen führt. Erfolgreiche Beispiele zeigen, wie Organisationen ohne Manager (wie der Pflegedienst Buurtzorg) effektiver und menschlicher arbeiten, indem sie auf innere Motivation und Kompetenz ihrer Mitarbeiter setzen. Auch Gefängnisse, die Kriminelle mit Freundlichkeit und Würde behandeln (z. B. in Norwegen), erreichen eine dramatisch niedrigere Rückfallquote als Systeme, die auf Bestrafung und Misstrauen basieren. Persönlich ermutigt das Buch die Leser, sich dem Zynismus zu widersetzen, indem sie sich für Kontakt und Mitgefühl entscheiden und sich nicht für gute Taten schämen, da diese ansteckend sind. Als einprägsames Beispiel dient die Geschichte von Julio Diaz, der seinen jugendlichen Räuber zum Essen einlud und damit dessen Vertrauen gewann, anstatt ihn zu verurteilen.
Das Buch in einem Satz
Dieses Buch widerlegt die zynische Annahme, dass der Mensch von Natur aus böse sei, indem es aufzeigt, wie Kooperation und Freundlichkeit unsere Evolution bestimmten, und fordert einen neuen Realismus, der Institutionen auf tiefem Vertrauen aufbaut.
Affiliate / Anzeige: Wenn du über diesen Link kaufst, erhalten wir eine Provision, ohne dass sich der Preis für dich ändert.










